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Wie kann ich glauben ?

Die christliche Antwort auf diese Frage ist ganz einfach: Man muß gar nichts tun, um zu glauben, sondern die Gabe des Glaubens wird jedem Menschen von Gott geschenkt, der seine Erwartungen und Hoffnungen bezüglich seiner Existenz nicht an "weltliche Dinge" richtet, sondern offen bleibt für "jenseitiges". Dies heißt zum Beispiel, nicht in der Vorstellung zu leben, alles sei (durch Menschen) machbar (Machbarkeitswahn).

Damit verbunden sind oft Vorstellungen der eigenen oder der menschlichen Größe (Größenwahn), die ebenfalls hinderlich sind, offen für "jenseitiges" zu bleiben. Entgegengesetzt ist eine Haltung, welche die eigene Größe ständig an anderen mißt und das Gefühl des eigenen Unwertes hervorruft (Minderwertigkeitskomplex). Diese Haltung macht eine Öffnung zu "jenseitigem" ebenfalls schwierig. Wenn man hingegen Gott als zentralen Ankerpunkt des eigenen Lebens akzeptiert und sich in seinem Innern nicht mehr auf sich selbst gestellt fühlt, kann ein Mensch die gnädige und liebevolle Zuwendung Gottes erfahren und in seiner eigenen Seele ein Zuhause finden.

Eine solche Glaubenserfahrung kann die Grundlage für einen sich lebenslang entwickelnden und vertiefenden Glauben werden. Nicht selten kommt es in persönlichen Notlagen oder tiefgreifenden Lebenskrisen zu einer im wahrsten Sinne des Wortes "grundlegenden" Glaubenserfahrung, die das ganze restliche Leben beeinflußt. Man sollte sich in jedem Falle klar darüber sein, daß Glauben ein lebenslanger Prozeß ist.

Der Beginn von Glauben kann nicht einfach mit einer persönlichen, verstandesmäßigen Entscheidung erfolgen. Man kann sich nicht einfach dafür entscheiden, bestimmte Traditionen für wahr zu halten und dementsprechend bestimmte Riten und Handlungen mitzumachen und dann zu erwarten, dies sei schon "Glaube", oder sich zu wundern, warum sich "Glaube" nicht einstellt. So kann etwa der Besuch eines Gottesdienstes eines "suchenden", aber der Kirche entfremdeten Menschen diesen völlig unberührt lassen. Oder das Verfolgen (und Mitsprechen) der für ihn fremdartigen Liturgie und Gebete, deren unsichtbare Glaubensbasis (siehe auch "Was ist Glauben ?") ihm nicht (noch) zugänglich ist, stößt ihn sogar zunächst ab. Glaube kann - wie oben beschrieben - als Geschenk Gottes entstehen (siehe auch "Was ist Glauben ?").

Auf einer solchen Grundlage kann sich ein Glaube entwickeln, der nach Möglichkeiten sucht, Gott in Gemeinschaft mit anderen zu danken, zu ihm zu beten, ihn zu preisen. Im Rahmen dieser Suche können sich die Riten und Handlungen z.B. eines Gottesdienstes dem Gläubigen (oder dem Gläubigwerdenden) als Folge und Ausdrucksform seines Glaubens erschließen; umgekehrt geht es nicht.